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Artikel erschienen in Kreiszeitung Wesermarsch im Oktober 2008
Bewegung als Prinzip der Behandlung
Heilpraktikerin referiert im Rahmen der Gesundheitswoche EBBE im Museum über Osteopathie - Vortragssaal voll besetzt
Das Thema "Osteopathie - sanfte Medizin mit den Händen" füllte den Museumsaal in Fedderwardersiel vollständig. Kein Platz blieb frei. Beide Veranstalter zeigten sich hoch zufrieden. Das Butjadinger Forum Naturheilkunde hatte den Vortrag im Rahmen der Gesundheitswoche EBBE der Kurgesellschaft angeboten.

Heilpraktikerin Christiane Schwarzhuber aus Hundsmühlen bei Oldenburg berichtete zu Beginn ihres Vortrages, dass sie sich nach einem Unfall mit Schleudertrauma beruflich neu orientiert habe. Sie sei glücklich, bei der Osteopathie gelandet zu sein. Die Behandlungsmethode stehe in Diagnose und Therapie auf wissenschaftlichen Füßen und erfordere ein fünfjähriges Studium, betonte die Referentin.
Vor 130 Jahren entwickelt
Vor 130 Jahren habe der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still die Osteopathie entwickelt. Im Jahr 1917 sei in England die British School of Osteopathy gegründet worden und in Europa erweitert worden. Das Konzept der Osteopathie basiere auf drei voneinander untrennbaren Säulen: Der Mensch sei als körperliche Einheit zu sehen, in dem Struktur und Funktion einander wechselseitig bedingten und Selbstregulierungskräfte wirkten. Christiane Schwarzhuber erläuterte, warum man von einer untrennbaren Einheit sprechen müsse: Wie bei einer Uhr bewirkten die Einzelteile des Körpers nichts, erst das gemeinsame Arbeiten im Zusammenspiel in einem gemeinsamen Gehäuse gewährleiste eine optimale Funktion. Und hier spielten die Körperfaszien, die aus Bindegewebe bestünden, eine überragende, alle Körperstrukturen umhüllende Gehäusefunktion. So sei jeder Muskel, sagte Christiane Schwarzhuber, in solche Faszien eingehüllt, die sich bei Stress verfestigen, verkleben, verhärten und verkürzen könnten. Dadurch würden Schmerzen und Krankheiten verursacht, oft auch an entfernteren Körperstellen, nach dem Motto "Was hat ein verstauchter Fuß mit Kopfschmerzen zu tun?".
Vorstellen könne man sich die Körperfaszien wie einen den Körper einhüllenden, aber zu kurzen, Overall eines Handwerkers, meinte Christiane Schwarzhuber.
Jeder könne jedoch selbst schon einer möglichen Verhärtung durch ausgiebige Dehn- und Streckübungen entgegenwirken. In der osteopathischen Behandlung könne es vorkommen, dass die Osteopathin den Bauch mit den Händen behandeln müsse, um Rückenschmerzen zu beseitigen. Aber auch umgekehrt sei es denkbar, den Rücken behandeln zu müssen, um auf kränkelnde Organe einwirken zu können. So spreche man, sagte Christiane Schwarzhuber, zum Beispiel beim Zwölffingerdarm auch vom "Wächter der Lordose" (Wächter der Wirbelsäulenverkrümmung). Die Osteopathie beruhe bei allen drei Grundsätzen vor allem auf dem Prinzip "Bewegung", hob die Referentin hervor: "Leben ist Bewegung, wir bewegen uns beim Sitzen, das Herz schlägt, die Lungen weiten sich mit jedem Atemzug, und sogar die Niere legt am Tag 600 Meter an Bewegung zurück."
Wie fließendes Wasser
Wie fließendes Wasser sich selbst reinigen würde, so müssten der Mensch und hilfsweise sein Therapeut darauf hinwirken, "trockene Felder wieder zu bewässern durch die Beseitigung von Störungen der Durchblutung". Darauf sei die osteopathische Behandlung ausgerichtet. Sie finde aber auch dort ihre Grenzen, wo die selbstregulierenden Kräfte versagten: in der Notfallmedizin, bei Infektionen und bei seelischen Erkrankungen. Wenn junge Leute Bandscheibenprobleme hätten, könne das zum Beispiel seelische Ursachen haben. Eine gute Osteopathin könne allerdings mit ihren Händen spüren, wenn sich der Körper unbewusst sperre oder wehre.